Die Toten von Marienburg - Marienburg (Westpreußen)

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:


Die Toten von Marienburg


"Die Toten von Marienburg"



Das Massengrab zwischen Burgmodell und Burg am 13. November 2009



Am 28. Oktober 2008 wurde in Marienburg ein Massengrab entdeckt. Aus dem Grab wurden bis April 2009 – nach fortlaufenden Zählungen – die sterblichen Reste von ungefähr 2500 Kindern, Frauen und Männern ausgebaggert, ausgegraben, in Plastiksäcke gepackt und eingelagert.

Die Fundstelle und die Toten wurden nicht untersucht.

Von Ende April 2009 bis Mitte Mai 2009 nahm ein Chirurg die Gebeine in Augenschein, sortierte sie in 109 Särge – meist 20 Schädel und unterschiedliche Knochen pro Sarg – und fertigte ein Gutachten. Vier Zeugen bestätigten die Sortierarbeiten: ein polnischer Archäologe, ein polnischer Sektionstechniker, eine polnische Dolmetscherin und ein deutscher Umbetter. 108 Särge wurden nach Neumark bei Stettin gebracht. Dort fand am 14. August 2009 eine Feier statt.

Es wird behauptet, die Toten seien Kriegstote aus der Zeit von Januar bis März 1945. Für diese Behauptung gibt es keinen einzigen Beweis, kein einziges Indiz. Alle Umstände deuten darauf hin, daß die Menschen nach dem Krieg getötet worden sind.



------------Das Massengrab---------------------Geborgene Tote in einer Garage

Am 14. November 2009 gedachte der Heimatkreis in einem Gottesdienst der Toten von Marienburg. Heimatkreisvertreter Bodo Rückert legte am Massengrab einen Kranz nieder.


Hier finden Sie, was über die Toten von Marienburg nach und nach bekannt wurde:

An der Kleinen Geistlichkeit (ul. Solna), beim früheren Hotel drei Kronen, wurden am
28. Oktober 2008 Erdarbeiten durchgeführt. Dabei entdeckte man zahlreiche menschliche Knochen. Stadtverwaltung und Polizei wurden eingeschaltet. Ein Gerichtsmediziner stellte fest, daß dort etwa 70 Tote lagen, Männer, Frauen und Kinder. Alle waren unbekleidet, einige Schädel wiesen Schußverletzungen auf.
Die Knochen wurden zusammengetragen und auf dem städtischen Friedhof in Willenberg nach katholischem Ritus in einem Sammelgrab beigesetzt.
Am 15. und 16. November 2008 sah man auf der Baustelle weitere Knochen. Im Internet (www.marienburg.pl) erschienen Bilder, das Fernsehen (TVP3) berichtete, in zwei Zeitungen erschienen Beiträge (Gazeta Wyborcza vom 19. Nov.; Dziennik Baltycki vom 21. Nov.).
In Marienburg tauchte die Frage auf, ob alles zur Aufklärung des rätselhaften Fundes getan worden ist und getan wird.
Nach bisher unbestätigten Informationen sollen die Menschen 1945 gestorben sein, vielleicht während der Kämpfe, vielleicht danach. Völlig ungeklärt ist, wer die Toten sind und unter welchen Umständen sie starben.
Inzwischen sollen die Erdarbeiten eingestellt worden sein. Die Fundstelle würde nun genau untersucht.

Stand 29.11.2008

----------------------------------------------

Es heißt, die Fundstelle sei mit einem Metall-Detektor untersucht worden. Dabei habe man auch ein Geschoß gefunden.
Immer mehr Tote würden entdeckt, bisher über 200, darunter Kinder. Die Knochen würden in Säcke gelegt, in den letzten Tagen seien sechs neue Säcke gezählt worden.

Stand 04.12.2008

----------------------------------------------

Bis Sonntag, 07. Dezember 2008, sollen fast 500 Tote gefunden worden sein. Die Zahl der Toten könne in den nächsten Tagen noch steigen. Alle Toten würden in Geschoßtrichtern liegen. In der Nähe der Fundstellen habe man Spuren von Kleiderresten und Munition gefunden.
Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Es gibt weiterhin nur Vermutungen, wer die Kinder, Frauen und Männer waren, deren Gebeine nun entdeckt sind. Auch zu der Frage, wie diese Menschen starben und warum ihre Gebeine in der Nähe des früheren Hotels drei Kronen liegen, gibt es nur Vermutungen. Einige der Vermutungen sind im Internet unter http://polskaweb.eu/massengrab-polen-32556.html veröffentlicht. Ob die Vermutungen eher wahrscheinlich oder eher unwahrscheinlich sind, läßt sich von hier aus zur Zeit nicht beurteilen.
Es heißt, die sterblichen Reste der Kinder, Frauen und Männer würden später auf einem deutschen Soldatenfriedhof etwa 15 Kilometer südlich von Stettin beigesetzt werden. Wenn diese Information zutrifft, müßte es Erkenntnisse geben, nach denen die Toten Deutsche sind.

Stand 09.12.2008

----------------------------------------------

Die Zahl der in Marienburg entdeckten Toten soll inzwischen auf ungefähr 800 gestiegen sein. Immer noch ist keine Mitteilung einer amtlichen polnischen Stelle bekannt, daß in Marienburg viele menschliche Knochen gefunden werden. Es gab aber Berichte der örtlichen Presse und des Regionalfernsehens. Dem Heimatkreisvertreter ist ein offizieller Abschlußbericht zugesagt worden.
Bei der Stadtverwaltung Marienburg fand am Montag, dem 08. Dezember 2008, wegen der Funde eine Besprechung statt. Teilnehmer waren der Bürgermeister, der Stadtsekretär, der Geschäftsführer der deutschen Minderheit, ein Archäologe, Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. und der Investor des auf dem Grundstück geplanten Hotels. Über das Ergebnis der Besprechung ist nichts bekanntgegeben worden.  
Untersuchungen des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge sollen ergeben haben, daß die Toten (Kinder, Frauen, Männer) zivile Kriegsopfer seien. Über die Nationalität der Toten und die Todesumstände ist aber weiterhin nichts bekannt. Die Toten sollen im dritten Quartal 2009 auf dem deutschen Soldatenfriedhof Neumark Glinna Stare Czarnowo, 15 Kilometer südlich von Stettin, feierlich bestattet werden.

Stand 16.12.2008

----------------------------------------------

Die Grabungsarbeiten werden fortgesetzt. Bis jetzt habe man ungefähr tausend Tote gefunden.

Stand 22.12.2008

----------------------------------------------

Die Ausgrabungsarbeiten wurden wegen starken Frostes (-18°) unterbrochen. Es wird übereinstimmend berichtet, daß inzwischen über 1800 Tote geborgen wurden. Falls das Wetter es zuläßt, sollen die Bergungsarbeiten Ende Januar beendet sein. Alsdann sollen Einzelheiten zu den Funden (Todeszeitpunkt, Todesursache, Alter der Toten, ...) in einem Bericht zusammengefaßt werden. In zwei Zeitungsartikeln (Gazeta Wyborcza Trojmiasto vom 30. Dezember 2008 und Dziennik Baltycki vom 6. Januar 2009) wird vermutet, daß es sich bei den Toten um Marienburger handelt, die 1945 in der Stadt  geblieben sind. Die Toten werden als Kriegsopfer bezeichnet.

Stand 08.01.2009

----------------------------------------------

Zusammenfassung der bisherigen Informationen:

Seit Oktober 2008 wurden in Marienburg die Leichen von über 1800 Kindern, Frauen und Männern geborgen. Die Bergungsarbeiten sind noch nicht beendet, sie sind aber wegen der schwierigen Witterungsverhältnisse - starker Frost und hoher Schnee - seit einigen Tagen unterbrochen.

Es gibt keine offizielle deutsche oder polnische Stellungnahme zu den Leichenfunden. Weder der Bund der Vertriebenen noch die Landsmannschaft Westpreußen haben bisher eine öffentliche Erklärung abgegeben. In Zeitungen und auf Internetseiten werden persönliche Vermutungen verbreitet, manchmal auch gewagte Spekulationen. Überwiegend wird angenommen, daß es sich bei den Toten um Deutsche handelt; sie werden als Kriegsopfer bezeichnet, gelegentlich auch als Opfer von Kriegsverbrechen.

Wenn das Wetter es zuläßt, sollen die Bergungsarbeiten nur noch bis Ende Januar 2009 dauern. Danach sollen die Untersuchungsergebnisse in einem gerichtsmedizinischen Bericht festgehalten werden. Auf Grund langer vertrauensvoller Zusammenarbeit ist zu erwarten, daß dieser Bericht auch dem Heimatkreis Marienburg zur Verfügung gestellt wird.

Zur Zeit ist also festzuhalten:
Es ist nicht bekannt, wer die Toten sind. Es gibt keine Feststellungen zum Todeszeitpunkt und zur Todesursache. Es ist nicht entschieden, wo die Toten ihre letzte Ruhe finden.

Stand 11.01.2009

----------------------------------------------

Am 10. Januar 2009 gegen 20.00 Uhr wurde dem Heimatkreisvertreter Bodo Rückert telefonisch folgendes Erlebnis mitgeteilt:
Im November 1945 hielt ich mich als Fünfzehnjähriger in der unmittelbaren Nähe des Marienburger Bahnhofs auf. Mit großem Geschrei stürzten plötzlich unter massiver Gewaltanwendung (Knüppeleinsatz) durch die polnische Miliz etwa 200 bis 300 Personen, Frauen und Kinder, durch das Haupttor des Bahnhofs auf die Straße. Sie wurden wie Vieh in Richtung Innenstadt getrieben …
Ein auf die Straße gefallener Junge wurde dabei niedergetrampelt und unversorgt liegen gelassen.
Das damalige brutale Geschehen durch die polnische Miliz ist mir unvergessen geblieben und durch die jetzige Berichterstattung in der Presse über die Funde in Marienburg ganz unverhofft in meine Gegenwart zurückgekehrt.
Mit dieser Mitteilung, die ich auch beeiden würde, möchte ich der Aufklärung dienen.

(Name, Anschrift und Telefonnummer des Anrufers sind dem Heimatkreisvertreter bekannt)

Stand 12.01.2009

----------------------------------------------

Heimatkreisvertreter Bodo Rückert wird in der 4. Kalenderwoche 2009 in Marienburg sein, um sich vor Ort ein Bild der Angelegenheit zu verschaffen. Darüber hinaus wird er Gespräche mit Vertretern der Stadt und mit der Presse führen. Dabei wird Bodo Rückert die Marienburger Verantworlichen und die Marienburger Öffentlichkeit eingehend über die Sicht des Heimatkreises informieren.

Stand 18.01.2009

----------------------------------------------

Immer noch weiß niemand, wer die mehr als 1800 Kinder, Frauen und Männer sind, deren Gebeine bisher geborgen wurden. Ein Blick in die Geschichte Marienburgs läßt aber die Vermutung zu, daß es Deutsche sind, wohl aus Marienburg und der Umgebung. Doch unabhängig davon, ob die Herkunft der Menschen bekannt ist oder nicht: ihr schreckliches Ende in Marienburg verpflichtet zu würdevoller Bestattung und mahnender Gedenkstätte in Marienburg.
Es gab Überlegungen, die Toten auf weit entfernte deutsche Soldatenfriedhöfe zu verlagern. Angesichts des entsetzlichen Schicksals so vieler Menschen haben diese Überlegungen sich von selbst erledigt. Der einzige angemessene Ort der letzten Ruhe und des Gedenkens ist Marienburg.
Heimatkreisvertreter Bodo Rückert, der sich zur Zeit in Marienburg aufhält, hat diese Auffassung allen Verantwortlichen gegenüber deutlich vertreten.

Stand 20.01.2009

----------------------------------------------

Heimatkreisvertreter Bodo Rückert war vom 20. bis 24. Januar 2009 in Marienburg. Hier ist der Bericht über sein Gespräch mit Bürgermeister Rychlowski:

Ich war während meines mehrtägigen Aufenthalts in der Heimatstadt Gast der regionalen Presse und Begleiter eines ZDF-Teams. Darüber hinaus nutzte ich die Einladung des Herrn Bürgermeisters Rychlowski zu einem Meinungsaustausch, an dem auch der Stadtratvorsitzende und der Stadtsekretär teilnahmen.

Bürgermeister Rychlowski sagte:
Er danke dem Heimatkreis Marienburg für die neutral gefaßte Berichterstattung auf der Homepage (www.heimatkreis-marienburg.de) und die sachgerechte Berichterstattung in der "Marienburger Zeitung" sowie für die Hilfe bei der von beiden Seiten angestrebten Aufklärung. In seinem Dank hob er auch die gute Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Deutschen Minderheit in Marienburg hervor.
Die Arbeiten an der Fundstelle würden in den folgenden Wochen abgeschlossen. Nach dem deutsch-polnischen Kriegsgräberabkommen aus dem Jahr 2003 werde die Federführung der Bearbeitung dann auf den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. übergehen, dessen Präsident gegenüber den polnischen Behörden bereits die Bereitschaft zur Übernahme der Opfer angezeigt und zwei Soldatenfriedhöfe benannt habe. Der nächste Soldatenfriedhof liege etwa 60 km entfernt im Danziger Raum, der andere liege etwa 150 km von Marienburg entfernt.
Die Vertreter der Stadt hätten großes Verständnis für die Initiative des Heimatkreises, den geborgenen Opfern in der Heimaterde eine würdevolle Ruhestätte zu gewähren. Aber aufgrund des Abkommens aus dem Jahre 2003 sei der Stadt Marienburg das Entscheidungsrecht über eine würdevolle Bestattung in Marienburg entzogen.

Ich entgegnete darauf folgendes:
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. habe seit seiner Gründung vorbildliche Arbeit geleistet. Unzählige Marienburger und ich selbst gehören dieser Organisation seit Jahren als Mitglieder und als Spender an. Es werde auch anerkannt, dass der Volksbund wirtschaftlich handeln und deshalb freie Kapazitäten in Polen nutzen müsse. Doch die fast 2000 betroffenen überwiegend wohl aus Marienburg stammenden Opfer stellten einen Sonderfall dar, für den das deutsch-polnische Kriegsgräberabkommen keine Anwendung finden dürfe. Dieser Sonderfall müsse stattdessen einvernehmlich mit polnischen und deutschen Regierungenstellen und gegebenenfalls unter Einbeziehung europäischer Institutionen behandelt werden.
Anfang Dezember 2008 sei gegenüber dem Heimatkreis Marienburg von einem offiziellen Mitarbeiter des Volksbundes eine Bestattung der zu diesem Zeitpunkt 400 geborgenen Opfer auf dem Soldatenfriedhof Danzig ausgeschlossen worden, das lasse vermuten, das eine Bestattung auf einem weiter vom Fundort entfernten Soldatenfriedhof angestrebt werde. Wie es heißt, sollen 70 % der Opfer Marienburger seien, deshalb bestehe der Heimatkreis Marienburg weiterhin auf würdiger Bestattung auf dem ehemaligen Jerusalemfriedhof in Marienburg. Auf diesem Friedhof ruhten schon viele Kriegstote der beiden Weltkriege. Anstelle von Einzelgrabstellen könnten auch fünf oder sechs Großgräber in Betracht kommen.
Dieses Vorhaben entspreche dem ausdrücklichen Wunsch der Marienburger, vieler Bürger der Bundesrepublik und erfreulicherweise auch vieler jetziger Bürger der heutigen Stadt Malbork.
Neben dem Jerusalemfriedhof befinde sich das auch mit europäischen Finanzmitteln wieder aufgebaute historische "Jerusalem-Hospital", das als "Europäisches Begegnungszentrum" genutzt werden solle, und das bei einer Verwirklichung des Anliegens des Heimatkreises auch als "Mahnmal für den Frieden in Europa" eine nicht unerhebliche Aufwertung erfahren werde.

Um dieses  Ziel zu erreichen, habe der Heimatkreis Herrn Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland Horst Köhler, Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und den Botschafter der Republik Polen, Herrn Botschafter Dr. Marek Prawda, um Unterstützung gebeten.

Bürgermeister Rychlowski und ich haben vereinbart, uns gegenseitig über den neuesten Sachstand zu unterrichten und weiter vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.

Stand 26.01.2009

----------------------------------------------

Eine Marienburgerin, die 1945 zehn Jahre alt war, teilte ihre Erinnerungen mit. Name und Anschrift der Marienburgerin sind bekannt. Hier ist ein Auszug aus den Erinnerungen:

… Wir waren nicht geflüchtet … (Die) Russen (sind) über die Schrebergärten an der
Gasanstalt einmarschiert. Die Straßenkämpfe dauerten 14 Tage. Am Tag waren
russische Soldaten,  nachts deutsche Soldaten … es war die Hölle … Als nach 14 Tagen die Stadt eingenommen (war) …, wurden wir nach Altmark, 16 km von Marienburg, gebracht. Die Kämpfe um das Schloß dauerten sechs Wochen. Als das Schloß eingenommen (war), brachte man uns nach acht Wochen nach Marienburg zurück. Auf den Straßen lagen überall Tote. Die … Überlebenden wurden zusammengetrieben, darunter auch meine Mutter und Großeltern, um alle Toten zu beseitigen. Es dauerte lange, und Eile war geboten, denn es brach … Bauchtyphus aus. Die meisten Toten lagen im Mühlengraben und auf der Straße. Dort war, bevor die Russen reinkamen, ein Kloster mit vielen deutschen, verwundeten Soldaten und anderen deutschen Menschen. Was aus ihnen geworden ist, weiß keiner, denn das Kloster war abgebrannt. Die Toten wurden auf Handwagen und Pferdewagen geladen, auf einen Sportplatz gebracht, auf einen Haufen abgeladen und mit Chlor beschüttet. Eine Grube wurde nicht gegraben. Ich weiß nicht, was mit den Toten später geschah. Den Namen der Straße weiß ich nicht mehr, nur dass hinter der … Kaserne, ein paar Häuser weiter, ein … Friedhof war. Die Straße heißt auf polnisch "Jagielonska".
Ich weiß das genau, denn ich bin erst 1973 (in die Bundesrepublik) umgesiedelt … Ich hoffe sehr, dass ich etwas zur Aufklärung (des) "rätselhaften Fundes" beitragen konnte.

Stand 29.01.2009

----------------------------------------------

Heimatkreis und Volksbund:
Der Heimatkreis Marienburg und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. führten am 5. Februar 2009 in Kassel ein eingehendes Gespräch wegen des rätselhaften Marienburger Fundes. An dem mehrstündigen offenen Gespräch nahmen für den Heimatkreis Bodo Rückert (Heimatkreisvertreter) und Hans Joachim Borchert (www.heimatkreis-marienburg.de) teil, für den Volksbund Rolf Wiedemann, Manfred Stiel und Fritz Kirchmeier. Es ging insbesondere um den Ort, an dem die Toten ihre letzte Ruhe finden sollen. Für den Heimatkreis ist dieser Ort Marienburg. Eine Entscheidung wurde nicht getroffen, denn es müssen noch mehrere Fragen geklärt werden. Heimatkreis und Volksbund bleiben im Gespräch.

Stand 08.02.2009

----------------------------------------------

Zweite Zusammenfassung:
Zeitungen und Zeitschriften, Radio, Fernsehen und Internet haben sich mit dem rätselhaften Marienburger Knochenfund beschäftigt. Alle Beiträge, auch die wortreichsten, lassen sich in vier einfachen Sätzen zusammenfassen:
1. Niemand weiß, wer die ungefähr 2000 Toten sind.
2. Niemand kennt die Todesursache.
3. Niemand kennt den Todeszeitpunkt.
4. Niemand weiß, wo die Toten ihre letzte Ruhe finden werden.
Immer eindringlicher wird eine würdige Bestattung gefordert. Für den Heimatkreis Marienburg heißt "würdige Bestattung": Die Toten finden ihre letzte Ruhe auf dem St. Jerusalemsfriedhof in Marienburg.
Die vereinzelt geäußerte Befürchtung, die Ermittlungen würden nicht mit höchster professioneller Sorgfalt geführt, scheint bisher nicht ausgeräumt.

Stand 11.02.2009

----------------------------------------------

Gespräche in Marienburg und Danzig
Vom 24. bis 27. Februar 2009 werden Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (Kassel) und des Rates zur Bewahrung des Gedenkens an Kampf und Martyrium (Warschau) in Marienburg und in Danzig Gespräche führen wegen der Marienburger Toten. Geplant ist auch ein Gespräch mit dem Marienburger Bürgermeister Andrzej Rychlowski; an dem Gespräch wird Generalkonsul Joachim Bleicker (Danzig) teilnehmen.

Stand 19.02.2009

----------------------------------------------

Gespräch des Volksbundes mit der Marienburger Stadtverwaltung
Am 26. Februar 2009 sprach der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit Bürgermeister Andrzej Rychlowski und der Stadtverwaltung Marienburg. An dem Gespräch nahmen der deutsche Generalkonsul Joachim Bleicker und Georg Fritz von der deutschen Minderheit teil. Das Gespräch sollte vor allem eine Gelegenheit sein, den neuesten Sachstand festzustellen. Denn die Exhumierungen dauern noch an.
Die Gesamtzahl der bisher aufgefundenen Toten liege inzwischen bei über 2000. Nach Beendigung der Exhumierungen werde das polnische Institut des Nationalen Gedenkens (IPN) mit den forensischen Untersuchungen beginnen. Wenn diese Untersuchungen abgeschlossen seien, also nach einer amtlichen Erklärung zur - möglicherweise auch nur überwiegend wahrscheinlichen - Identität der Toten und ihrer Todesumstände, solle die Entscheidung über den Bestattungsort getroffen werden.
Die Vertreter der Stadt Marienburg hätten auf zahlreiche rechtliche und praktische Probleme einer Bestattung in Marienburg hingewiesen und deshalb eine deutliche Präferenz für eine Bestattung auf einer der bereits existierenden deutschen Kriegsgräberstätten erkennen lassen. In gleicher Weise habe sich Georg Fritz, der Vertreter der deutschen Minderheit in Marienburg, geäußert.
Die Entscheidung über den Bestattungsort solle - nach Bekanntgabe der Feststellungen des IPN und einer Untersuchung der Gebeine durch den Volksbund - vom Volksbund zusammen mit seiner polnischen Partnerorganisation, dem Rat zur Bewahrung des Gedenkens an Kampf und Martyrium in Warschau, getroffen werden.

Stand 27.02.2009

----------------------------------------------

Wo sollen die Toten bestattet werden?
Das polnische Forum Marienburg hat diese Frage gestellt und das Ergebnis veröffentlicht
(www.marienburg.pl).

Von 128 Personen antworteten
____118: in Marienburg und mit einem Denkmal (92%)
______5: in einem Sammelgrab in Stettin (4%)
______5: keine Meinung (4%)

Stand 06.03.2009


----------------------------------------------

Noch mehr Tote?
Jeden Tag werden in Marienburg bis zu zwölf Tote aus einer Tiefe von etwa einem Meter geborgen. Und vierzig Meter weiter südlich soll sich ein weiteres Massengrab befinden.

Stand 10.03.2009

----------------------------------------------

Hinweis zu Mißhandlungen und Tötung im September 1945 in Marienburg
Heimatkreisvertreter Bodo Rückert informiert:
Am 12. März 2009 teilte ein Zeitzeuge mir schriftlich mit, daß zwei seiner Familienangehörigen am 25. September 1945 in das Marienburger Gefängnis eingeliefert wurden. Immer wieder, besonders bei Nacht, wurden sie von polnischem Wachpersonal brutal mißhandelt. Ein Familienangehöriger starb nach den schweren Mißhandlungen am 28. September 1945. Der andere Familienangehörige wurde erst 1948 aus dem Marienburger Gefängnis entlassen.

Stand 14.03.2009


----------------------------------------------

Merkwürdige Thesen eines eingetragenen Vereins
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. hat am 12. März 2009 eine Erklärung zu den Marienburger Toten herausgebracht. Die Erklärung enthält Thesen, die erst verständlich werden, wenn man den Hintergrund kennt.
Dies ist die Ausgangslage:

  • In Marienburg wurden bisher mehr als 2000 tote Kinder, Frauen und Männer gefunden. Einiges deutet darauf hin, daß es sich um Deutsche handelt, die nach den Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges in Marienburg Opfer von Verbrechen wurden. Die ehemaligen Bewohner Marienburgs und viele der jetzigen Bewohner Marienburgs wünschen, daß die Toten eine würdige Begräbnisstätte in der Stadt erhalten. Die offiziellen Vertreter Marienburgs möchten die Toten aus der Stadt fortschaffen – aus welchen Gründen auch immer.

  • Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. hat in Neumark bei Stettin, in Danzig und in Mlawka freie Begräbniskapazitäten und möchte die Toten übernehmen. Der Volksbund darf die Toten aber nur übernehmen, wenn es sich um deutsche Kriegstote handelt. Also werden die Toten – ohne jeden Beweis – zu Kriegstoten erklärt.

Volksbund: „Die meisten dürften infolge der heftigen Gefechte um die Stadt und deren Bombardierung ums Leben gekommen sein.“
Marienburg wurde nicht bombardiert. Die Toten lagen nackt in einem großen Massengrab. Wären die Menschen bei heftigen Gefechten umgekommen, dann wären sie verletzt, zerfetzt, zerrissen gewesen, sie wären aber nicht entkleidet.
Volksbund: „Es handelt sich überwiegend um deutsche Zivilbürger, gestorben gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Rest ist Spekulation.“
Die Toten sind wahrscheinlich Deutsche. Das zeigt sich schon daran, daß die offiziellen Vertreter der Stadt die Toten fortschaffen wollen. Vielleicht wissen die Vertreter der Stadt mehr als sie sagen. Jedenfalls würden polnische Tote gewiß nicht weggebracht. Es gibt aber keinen einzigen Hinweis, daß die Menschen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gestorben seien; diese Behauptung des Volksbundes soll den Eindruck hervorrufen, daß der Volksbund zuständig sei („Kriegstote“). Das ist die Spekulation.
Volksbund: „Auch Wolfgang Dietrich hat Anfang Dezember die Gebeine untersucht.“
Der für den Volksbund arbeitende Umbetter Wolfgang Dietrich hat in Marienburg einige Knochen gesehen und mit einigen Leuten gesprochen. Er hat die Gebeine nicht untersucht.
Volksbund: „… die Arbeiter des städtischen Bauamtes … haben sich zu wahren Fachleuten entwickelt.“
Die Arbeiter haben die Funde weder fachmännisch dokumentiert noch fachmännisch geborgen. Sie haben gegraben, gebaggert, Spuren zerstört, Gebeine eingesammelt und zu einer Lagerstelle gebracht.
Volksbund: „Keinerlei Hinweise gibt das Grab frei, keine Kleidungsreste, keine Waffen, Knöpfe oder anderes.“
Wenn man städtische Arbeiter zu Fachleuten erklärt und keine wirklichen Fachleute einsetzt, dann findet man nichts. Man müßte fachmännisch suchen.
Was fehlt noch? Richtig! Wenn man die Toten zu einer Kriegsgräberstätte fortschaffen will, muß man behaupten, in Marienburg gebe es keinen Platz für sie.
Volksbund: „In Malbork selbst gibt es kein geeignetes Gelände für eine Beerdigung.“
Es gibt einen riesigen kommunalen Friedhof im Ortsteil Willenberg. Dort wurden die ersten – im Oktober 2008 gefundenen – Toten beigesetzt, etwa 70. Außerdem gibt es mehrere nicht mehr genutzte Friedhöfe, zum Beispiel den evangelischen St. Jerusalemsfriedhof, den katholischen Friedhof an der Birkgasse, den katholischen Friedhof an der Großen Geistlichkeit (in der Nähe des Massengrabes), den katholischen Friedhof an der Parkstraße, den evangelischen Friedhof in Sandhof und das Gelände um das Ehrenmal im Stadtpark.
Volksbund: „Gemäß Kriegsgräberabkommen wird der Volksbund anschließend die Toten übernehmen. Sie sollen auf einer deutschen Kriegsgräberstätte in Polen ihre letzte Ruhe finden …“
Das Kriegsgräberabkommen verlangt, daß es sich um „deutsche Kriegstote“ handelt, um „Personen deutscher Staatsangehörigkeit, die infolge der Kriege 1914-18 und 1939-1945 im Hoheitsgebiet der Republik Polen ums Leben gekommen sind“. Es gibt keinen Beweis, es gibt noch nicht einmal ein Indiz, daß die Toten von Marienburg Kriegstote sind. Sie können nach dem Zweiten Weltkrieg Opfer von Verbrechen geworden sein; das wird aber nicht untersucht. Auf jeden Fall gibt es für die Toten genügend würdige Begräbnisplätze in Marienburg.

Stand 20.03.2009


----------------------------------------------

Merkwürdige Thesen, 2. Teil
Der Volksbund hat am 20. März 2009 eine Erklärung herausgebracht, die sich ein wenig von der Erklärung vom 12. März 2009 unterscheidet.

  • Der Volksbund behauptet nun nicht mehr, die Toten von Marienburg seien durch "Bombardierung ums Leben gekommen". Diese These hat der Volksbund stillschweigend aufgegeben.

  • Zur Übernahme der Toten schreibt der Volksbund jetzt: Der Volksbund werde die Toten übernehmen, wenn "eine gerichtsmedizinische Untersuchung" ... "bestätigt, daß es sich größtenteils um Deutsche handelt".

Es ist schon merkwürdig: Eine gerichtsmedizinische Untersuchung müßte doch wohl die Frage beantworten, ob die Toten einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind. Stattdessen soll die Staatsangehörigkeit der Toten gerichtsmedizinisch "bestätigt" werden, damit der Volksbund die Toten übernehmen kann.

Stand 23.03.2009


----------------------------------------------

Merkwürdige Thesen, 3. Teil
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Volksbundes haben den Ruf, zuverlässig, leistungsfähig und fachkundig zu sein. Man kann also davon ausgehen, daß sie wissen,

  • daß Marienburg nicht bombardiert wurde,

  • daß die Kinder, Frauen und Männer im Massengrab nicht bei Gefechten ums Leben gekommen sind,

  • daß die Menschen nicht gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gestorben sind,

  • daß der Umbetter Wolfgang Dietrich die Toten von Marienburg nicht untersucht hat,

  • daß städtische Arbeiter keine Fachleute für die Bergung von Toten sind,

  • daß in Marienburg Platz für eine würdige Begräbnisstätte vorhanden ist,

  • daß Gerichtsmediziner anhand von Gebeinen nicht die Staatsangehörigkeit von Toten bestätigen können.

Ignoranz kann man also ausschließen. Was aber sind dann die Gründe für die merkwürdigen Thesen? Politischer Druck? Wirtschaftlicher Druck? Befürchtungen wegen der künftigen Arbeit in Polen?
Immerhin hat der Volksbund am 23. März 2009 am Sammelgrab für die ersten geborgenen Toten auf dem städtischen Friedhof in Marienburg einen Kranz niederlegen lassen.

Stand 24.03.2009


----------------------------------------------

1. Polskaweb News hat auf der Seite http://polskaweb.eu/heimatkreis-marienburg-in-sorge-34566.html einen Beitrag unter dem Titel "Schindluder mit den Toten von Marienburg" veröffentlicht. Der Beitrag enthält den Text der Seite des Heimatkreises "Die Toten von Marienburg" bis zum Stand 24.03.2009.

2. Der Bundesvorstand der Landsmannschaft Westpreußen wird sich in seiner Sitzung am 3. und 4. April 2009 mit den Toten von Marienburg beschäftigen und die aktuelle Lage erörtern.

Stand 28.03.2009


----------------------------------------------

Volksbund: Peinliche Panne oder schlimme Absicht?
In seiner Zeitschrift "Stimme & Weg", Ausgabe April, 2/2009, behauptet der Volksbund auf Seite 18 erneut, die meisten Toten dürften infolge heftiger Gefechte um die Stadt und deren Bombardierung ums Leben gekommen sein. Die unrichtige Behauptung, die Stadt sei bombardiert worden, hatte der Volksbund bereits am 12. März 2009 aufgestellt, dann aber am 20. März 2009 stillschweigend fallengelassen. Jetzt wird die Behauptung erneut verbreitet.

Stand 05.04.2009

----------------------------------------------

Ermittlungen des IPN
Das polnische "Institut für Nationalgedenken. Abteilungskommission für Verfolgung von Verbrechen gegen das polnische Volk in Danzig" (IPN) ermittelt wegen der Toten von Marienburg. Die Ermittlungen sind allerdings begrenzt: sie betreffen nur die Monate März und April 1945 als Tatzeit, und sie betreffen als Tatverdächtige nur russische Soldaten.
Es bleibt abzuwarten, ob bei einer solchen Vorgehensweise die Wahrheit über die etwa 2400 Toten ermittelt wird. Wahrscheinlich soll nur bestätigt werden, daß kein Verbrechen gegen das polnische Volk vorliegt; Ermittlungen, die darüber hinausgehen, sind wohl nicht beabsichtigt.

Stand 09.04.2009


----------------------------------------------

Merkwürdiger Hinweis des Generalkonsuls
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. will die Toten von Marienburg übernehmen und erklärt sie deshalb zu Kriegstoten, ohne jeden Beweis.
Der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Danzig unterstützt die Behauptung des Volksbundes und ergänzt: Auch deutsche Staatsangehörige, die als Opfer der Gewaltherrschaft von 1945-49 umgekommen sind, seien deutsche Kriegstote.
Es gibt keinen Beweis, daß die Toten von Marienburg Opfer von Gewaltherrschaft sind. Vielmehr deutet einiges darauf hin, daß es sich um Verbrechensopfer handelt. Verbrechensopfer der Jahre 1945 bis 1949 sind nicht zwangsläufig Opfer von Gewaltherrschaft.

Stand 16.04.2009


----------------------------------------------

Bundesvorstand der Landsmannschaft Westpreußen bezieht Stellung
Der Bundesvorstand der Landsmannschaft Westpreußen hat in seiner Sitzung am 3. und 4. April 2009 auch die Frage der Bestattung der Toten von Marienburg erörtert:
Die Beisetzung der Opfer komme nur auf einer Begräbnisstätte in Frage, auf der dann auch in Zukunft Erhaltung und Pflege der Anlage dauerhaft gewährleistet seien. Im Bundesvorstand sei volles Einvernehmen erzielt, daß das im Gegensatz zu einer kommunalen Anlage ehestens auf einer Kriegsgräberstätte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. sichergestellt werden könne. Der Bundesvorstand habe sich deshalb für eine Bestattung auf der bereits bestehenden Kriegsgräberstätte des Volksbundes auf dem ehemaligen Garnisonsfriedhof am Hagelsberg in Danzig ausgesprochen. Diese Grabstätte liege in der Nähe von Marienburg und werde deshalb gegenüber anderen deutschen Kriegsgräberstätten in Polen bevorzugt. Polnische kommunale Instanzen in Marienburg hätten die Absicht, in unmittelbarer Nähe zum Fundort der 2500 Opfer eine Gedenkanlage zu errichten. Mit der Grabstätte in Danzig gebe es dann zwei stille Orte der Erinnerung an das Schicksal der 2500 Opfer von Krieg und Gewalt, es gebe zwei würdige Gedenkstätten gegen das Vergessen des traurigen Geschehens in Marienburg aus dem Jahre 1945. Die Verantwortlichen seien zum Handeln aufgerufen.

Der Bundesvorstand hat seine Stellungnahme nicht mit dem Heimatkreis Marienburg abgestimmt. Und offenbar hat der Bundesvorstand nicht erörtert, ob der Volksbund für die Toten von Marienburg zuständig ist.
Der Heimatkreis Marienburg wird sich weiterhin für eine würdige Bestattung in Marienburg einsetzen.

Stand 18.04.2009


----------------------------------------------

Bestattung in Wernersdorf möglich
Tadeusz Bielinski, der Gemeindevorsteher von Mielenz, hat dem Heimatkreis am 4. Mai 2009 die grundsätzliche Bereitschaft mitgeteilt, die Toten von Marienburg auf dem Friedhof von Wernersdorf bestatten zu lassen. Wernersdorf gehört zu Mielenz, der Friedhof liegt etwa zehn Kilometer von Marienburg entfernt.
Heimatkreisvertreter Bodo Rückert hat sofort den Bürgermeister von Marienburg, den deutschen Generalkonsul in Danzig und den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Kassel informiert.

Stand 07.05.2009


----------------------------------------------

2120 Tote in 109 Särgen
Rolf Wiedemann vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. teilte dem Heimatkreisvertreter Bodo Rückert am 19. Mai 2009 mit, daß 2120 Tote in 109 Särge gelegt worden seien. In diesen Zahlen seien die 67 Toten vom Friedhof in Willenberg enthalten. Über die Beisetzung der Marienburger Toten sei noch nicht entschieden, der Volksbund bevorzuge die Kriegsgräberstätte in Neumark bei Stettin.

Stand 22.05.2009


----------------------------------------------

„Ich hatte schreckliche Angst“
Frau Rosemarie Busche, Bad Neuenahr-Ahrweiler, teilte am 8. und 9. Juni 2009 telefonisch mit, was sie 1945 erlebt hat:
Wir wohnten in Hirschberg bei Wartenburg in Ostpreußen. Wir, das waren meine Mutter, meine ältere Schwester (damals 22 Jahre), mein jüngerer Bruder (damals 6 Jahre) und ich (damals 8 Jahre). Bei uns waren Soldaten einquartiert. Als die Russen immer näher kamen, wußte meine Mutter nicht, was sie nun tun sollte. Wir flüchteten auf einem Wagen, es war wohl ein Munitionswagen, und erreichten das Frische Haff. Unterwegs sah ich tote Kinder am Straßenrand liegen, meine Mutter – sie war Hebamme – sagte mir, ich solle nicht hinsehen. Auf dem Weg über das zugefrorene Haff wurden wir von russischen Flugzeugen angegriffen, ich sah die Einschläge. Wir erreichten die Frische Nehrung und fuhren in einem Viehwaggon nach Danzig. Dort erlebten wir die Kämpfe und das Eindringen der Russen in die Stadt. Wir suchten in zerstörten Häusern nach Essen, nach Unterkunft und nach Schutz vor den Russen.
Anfang April mußten wir und andere Leute bei der russischen Kommandantur erscheinen. Wir erhielten einen Passierschein, sollten nach Hause zurückgehen und arbeiten „wie bei Hitler“. Zu Fuß erreichten wir Dirschau. Dort saßen auf eine Wiese an der Weichsel ungefähr 300 bis 500 Menschen, nur Frauen und Kinder; ich kann mich nicht erinnern, einen Mann gesehen zu haben. Die Russen brachten uns in einem Boot über die Weichsel. Wir gingen nach Marienburg und kamen an einem Nachmittag an, es muß Mitte April gewesen sein. Polnische Soldaten – nach meiner Erinnerung waren es zwei – forderten uns barsch auf mitzukommen. Es waren polnische Soldaten, keine russischen. Sie brachten uns in ein großes Gebäude in der Nähe der Burg. Wir mußten in einen Raum gehen, in dem in einer Ecke etwa zehn Personen saßen, es waren drei oder vier Frauen und kleine Kinder. Wir mußten uns in eine andere Ecke setzen. Dann gingen die Soldaten eine Etage höher, ich nehme an, daß dort weitere Menschen waren. Ich hatte schreckliche Angst. Meine Mutter gab uns ein Zeichen, ruhig zu sein und den Raum zu verlassen. Wir standen auf, gingen leise raus und eilten durch mehrere Straßen, bis wir dachten, weit genug weg zu sein. Nach dem russischen Passierschein hatten die Polen nicht gefragt.
Wir gingen nach Jäskendorf bei Mohrungen. Dort mußten meine Mutter und meine Schwester auf dem Gut des Grafen Finckenstein arbeiten.
Erst 1958 kamen wir raus.
Als ich von den Marienburger Toten las, war mein erster Gedanke. „Mein Gott, das war doch dort, wo wir waren“. Meine Schwester hatte den gleichen Gedanken. Und ich war empört, als ich las, die Russen hätten die vielen Menschen in Marienburg umgebracht. Es waren nicht die Russen. Ich weiß, warum ich in Marienburg so schreckliche Angst hatte.

Stand 09.06.2009


----------------------------------------------

Katharina von Krosigk: Die Marienburger Toten
Seit 1994 versuche ich, notleidenden Menschen in Marienburg und Umgebung direkt zu helfen. Ich habe zwar keine familiären Wurzeln in Marienburg, aber mir sind die Menschen von Marienburg im Laufe der Jahre zu guten Freunden geworden. Gemeinsam haben wir in den letzten 15 Jahren die ärgste Not lindern können. Mit vielen Marienburgern war ich mir darüber hinaus einig, daß wir nur in einem vereinten Europa eine friedliche Zukunft haben werden, natürlich nur wenn wir alle zugleich auch unsere Vergangenheit akzeptieren und vor allen Dingen auch dazu stehen.
Deswegen traf mich die Nachricht, daß die vielen Toten, die offensichtlich 1945 neben der Burg verscharrt wurden, in Stettin beerdigt werden sollten, sehr hart. Ich schrieb daher an den Bürgermeister Rychlowski einen Brief, in dem ich mein Befremden über ein derartiges Vorgehen ausdrückte. Ich warf ihm vor, daß er mit der Abschiebung der Toten den Eindruck erwecke, daß die Stadt Marienburg im oben genannten Sinnenoch nicht in Europa angekommen sei. Ehe ich eine Antwort erhielt, war ich dann persönlich in Marienburg. Dort wurde mir dann in vielen Gesprächen mit den Bürgern von Marienburg immer wieder erklärt, daß auch sie alle eine Beerdigung dieser vielen Toten in ihrer Stadt, in der sie traurigerweise auch ums Leben kamen, vorzögen.
Bei meiner Rückkehr nach Deutschland fand ich dann das Antwortschreiben von Bürgermeister Rychlowski vor. Er nannte mir viele Beispiele, daß Marienburg sehr wohl europäisch denke. Zum Schluß seiner Ausführungen wies er noch daraufhin, daß die Stadt Marienburg schon am 8. Dez. 2008 den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorgeals Berater hinzugezogen habe. Vom Volksbund sei der Vorschlag gekommen, die toten Menschen auf dem Friedhof  Stare Czarnowo bei Stettin zu beerdigen, und der Stadtrat von Marienburg habe diesen Vorschlag akzeptiert. Ich habe daraufhin beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge angerufen, und man sagte mir in diesem Gespräch, daß mir der Bürgermeisterdie wahre Situation bei denVerhandlungen völlig falsch dargestellt habe. Ich erfuhr nämlich, daß erst in Folge der strikten Weigerung der Stadtoberen, die vielen toten Menschen in Marienburg zu beerdigen, der Volksbund im Beisein des deutschen Konsuls den Friedhof beiStettin vorgeschlagen hat. Das habe wenigstens den Vorteil, daß für die in der Bundesrepublik Deutschland lebenden ehemaligen Marienburger der Weg zu den Grabstätten kürzer sei als bis zu einem Friedhof in Marienburg.
Dieser Lösungsweg erscheint jedoch nur auf den ersten Blick einleuchtend. Erstens ist er nur ein Ausweg aus der vom Marienburger Bürgermeister geschaffenen Situation, und zweitensmißachtet erdie Wünsche der jetzt in Marienburg lebenden Bürger. Viele von ihnen sind der Meinung, daß diese namenlosen Männer, Frauen und Kinder nicht auf einen Soldatenfriedhof in einer möglichst weit entfernten Stadt gehören, wohl aber in eine ruhige Gedenkstätte in oder nahe bei Marienburg. Ich halte es sogar für möglich, für ein solches Projekt zusätzliche private Spender zu gewinnen.

Katharina von Krosigk
Hilfsring  e. V.
Trierer Straße 64
53115 Bonn

Stand 10.06.2009


----------------------------------------------

Abschluß der Ermittlungen?
Das Gutachten zu den Toten von Marienburg liegt nun vor. Wir wissen jetzt, daß der Gutachter lediglich feststellen sollte

  • ob die geborgenen Knochen menschliche Überreste sind

  • wieviel Tote geborgen wurden

  • welches Geschlecht und welches Alter die Toten hatten

  • was die unmittelbare Todesursache war, ob es Verletzungen waren, die für Kriegshandlungen charakteristisch sind.


Das Ergebnis des Gutachters:

  • Nach der Zahl der Schädel handelt es sich um 2111 Tote, nach der Zahl der Oberschenkelknochen um 2116.

  • Es handelt sich um 377 Kinder, 1001 Frauen und 381 Männer. Bei 352 Toten wurde weder Alter noch Geschlecht ermittelt.

  • Nur wenige Tote zeigen Verletzungen, die bei Waffeneinsatz oder durch Splitter entstehen. Für alle anderen Toten hat der Gutachter die Todesursache nicht festgestellt; er vermutet Krankheiten, Hunger oder Kälte.

  • Der Gutachter vermutet, die Toten seien Deutsche, die Anfang 1945 (Januar bis März) starben.


Schlußfolgerung: Die wesentlichen Fragen sind weiterhin unbeantwortet.
www.heimatkreis-marienburg.de beabsichtigt, das Gutachten mit dem dazugehörenden Protokoll und mit dem Anhang zu veröffentlichen.


Stand 12.06.2009

----------------------------------------------

Die Fundstätte
Der Heimatkreis Stuhm war von Ende Mai bis Anfang Juni 2009 in Marienburg und Stuhm. Teilnehmer der Reise waren entsetzt, als sie zur eingeebneten Fundstätte der Marienburger Toten kamen und dort Knochenteile fanden. Sie bedeckten die Knochenteile mit Erde.

Fotos: Bernhard Kolb, Heimatkreis Stuhm

------Die Fundstätte am 30. Mai 2009--------------Die Fundstätte am 6. Juni 2009


Stand 16.06.2009


----------------------------------------------


Bestattung
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. hat mitgeteilt, er plane, die Toten von Marienburg in einer öffentlichen Gedenkfeier am 14. August 2009 in Neumark bei Stettin zu bestatten. Die Feier solle um 14.00 Uhr beginnen.


Stand 10.07.2009


----------------------------------------------


Vier Wahrheiten über die Marienburger Toten
Im Protokoll vom 18. Mai 2009 zum gerichtsmedizinischen Gutachten heißt es, die Todesursache seien keine direkten Kriegshandlungen, höchstwahrscheinlich seien es mehrere Faktoren: Krankheiten, Hunger, Kälte. Historische Umstände würden auf Deutsche hinweisen, die Anfang 1945 (Januar bis März) gestorben seien.
Im gerichtsmedizinischen Gutachten vom 18. Mai 2009 heißt es, bei wenigen Toten würden charakteristische Verletzungen auf gewaltsamen Tod durch Waffeneinsatz oder Splitter hinweisen. Alle weiteren menschlichen Überreste sprächen für eine andere Todesursache als Kampfhandlungen. Höchstwahrscheinlich handle es sich um Zivilisten – Kinder, Frauen, alte Männer – die durch Krankheiten, Hunger, Kälte oder andere Umstände starben, die mit Kampfhandlungen nicht direkt verbunden waren.
Das deutsche Generalkonsulat in Danzig teilt mit, das gerichtsmedizinische Gutachten komme zu dem Schluß, daß es sich bei den Toten jedenfalls ganz mehrheitlich um Deutsche handelt, die in der Zeit von Januar bis März 1945 ums Leben kamen. Damit sei von polnischer Seite amtlich festgestellt, daß es sich bei den Toten um deutsche Kriegstote im Sinne des deutsch-polnischen Kriegsgräberabkommens handle.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge teilt mit, wenige Gebeine würden Merkmale eines gewaltsamen Todes durch Waffeneinsatz oder infolge von Kampfhandlungen (Splitter) aufweisen. Einige Skeletteile mit Verletzungen, die für Kampfhandlungen typisch seien, sollten eingehender untersucht werden. Vermutlich seien die meisten Menschen zwischen Januar und März 1945 durch Krankheiten, Unterernährung oder Erfrierungen gestorben, wahrscheinlich überwiegend deutsche Zivilisten.
Das Protokoll und das Gutachten nennen keine Beweise für die behaupteten Todesursachen. Generalkonsulat und Volksbund fragen nicht nach Beweisen. Gibt es vielleicht eine fünfte Wahrheit?


Stand 17.07.2009


----------------------------------------------

Bundestreffen des Heimatkreises
Das schreckliche Schicksal der vielen Menschen, die in Marienburg tot aufgefunden wurden, überschattete das 33. Bundestreffen des Heimatkreises Marienburg vom 24. bis 26. Juli 2009 in Magdeburg. Für die Angehörigen des Heimatkreises ist es unfaßbar, daß offizielle Institutionen in Deutschland und in Polen die Wahrheit über die Toten nicht ans Tageslicht bringen. Erforderliche Untersuchungen werden offenbar bewußt unterlassen, damit die Wahrheit im Dunkeln bleibt. Einige Institutionen schweigen hartnäckig, andere bringen Spekulationen in Umlauf und behaupten kühn, man beteilige sich nicht an Spekulationen.

Der Heimatkreis hält daran fest, daß Versöhnung auf Wahrheit gegründet sein muß. Mit Wahrheitsvermeidung, Verschleierung und Vertuschung ist Versöhnung nicht zu erreichen. Hoffnung geben vor allem junge Polen, die Vertuschungsversuche aufmerksam verhindert haben und sich für die Bestattung in Marienburg aussprachen.

Am 14. August 2009 sollen die Toten von Marienburg in Neumark bei Stettin bestattet werden. An der Bestattung wird der wiedergewählte Heimatkreisvertreter Bodo Rückert teilnehmen. Seine Teilnahme ist Ausdruck des Mitgefühls mit den Opfern und ihren Angehörigen. Die Teilnahme bedeutet nicht, daß der Heimatkreis der Fortschaffung der Toten aus Marienburg zustimmt. Die Teilnahme bedeutet auch nicht, daß der Heimatkreis der Wahrheitsvermeidung, Verschleierung und Vertuschung zustimmt.

Viele Angehörige des Heimatkreises befürchten, ihre Teilnahme an der Bestattung könnte als stillschweigendes Einverständnis mit denen ausgelegt werden, die für die Fortschaffung und die Wahrheitsvermeidung eintreten. Sie werden deshalb der Bestattung fernbleiben.  

Zu gegebener Zeit wird der Heimatkreis in einer eigenen Veranstaltung feierlich der Toten von Marienburg gedenken.

Stand 29.07.2009


----------------------------------------------


Marienburg nach dem Zweiten Weltkrieg
Aus einem Bericht vom 20. Dezember 1945 des Abgeordneten-Unterausschusses beim Präsidialbüro des Landesnationalrates (KRN) über eine Bereisung der Nord- und Westgebiete Polens mit dem Ziel, die Ursachen für das Abebben der Ansiedlungsaktion festzustellen:

„In den Kreisen Marienburg, Elbing … und vielen anderen gibt es fast keine Sicherheit, Räuberbanden treiben ihr Unwesen, überfallen Menschen auf den Straßen, berauben die Ansiedler all ihrer Habe (und werden) von niemandem verfolgt. Daher auch kommen in Kreise wie Marienburg und Elbing … keine neuen Ansiedler … (Militärische Einheiten und zivile Stellen sind) … angesichts einer solchen Lage machtlos ...“

(Fundstelle: Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945-1950, herausgegeben von Wlodzimierz Borodziej und Hans Lemberg, Band 4, Marburg 2004, Seiten 181 und 182)  

Unter welch schrecklichen Umständen starben weit mehr als 2000 Kinder, Frauen und Männer in Marienburg?


Stand 01.08.2009


----------------------------------------------

Am 14. August 2009 wurden auf der Kriegsgräberstätte Neumark bei Stettin 108 Särge mit Marienburger Toten feierlich eingebettet.


Stand 20.08.2009

----------------------------------------------


Gedenkfeier für die Toten von Marienburg
Heimatkreisvertreter Bodo Rückert teilt mit:
Es ist geplant, am Sonnabend, 14. November 2009, in Marienburg in einem ökumenischen Gottesdienst der Toten von Marienburg zu gedenken. Zu diesem Gedenkgottesdienst sind ganz besonders alle West- und Ostpreußen, alle ehemaligen und jetzigen Einwohner der Stadt und des Kreises Marienburg herzlich eingeladen.
Die Kollekte des Gottesdienstes ist für das Obdachlosenasyl Fides in Marienburg bestimmt. Wer an dem Gottesdienst nicht teilnehmen kann, ist herzlich um eine Spende gebeten auf das Konto 461253, Bankleitzahl 21392218, Volksbank Eutin, Stichwort „Fides“.
Nach dem Gedenkgottesdienst ist eine Kranzniederlegung vorgesehen.
Für weitere Auskünfte steht Heimatkreisvertreter Bodo Rückert ab 1. November 2009 unter der Rufnummer 0221-353831 zur Verfügung.


Stand 08.10.2009


----------------------------------------------

Gedenkgottesdienst und Kranzniederlegung am 14. November 2009 in Marienburg
Nur wenige hundert Meter vom Massengrab entfernt steht die über siebenhundert Jahre alte Kirche St. Johannis. In diesem ehrwürdigen Gotteshaus gedachte der Heimatkreis Marienburg der über zweitausend Kinder, Frauen und Männer, die vor mehr als sechzig Jahren ein schreckliches Ende in Marienburg fanden.
Es war nicht die erste Gedenkfeier für die Toten von Marienburg. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der die Toten aus Marienburg weggeschafft hatte, gedachte der Toten am 14. August 2009 in Neumark bei Stettin. Die Stadtverwaltung Marienburg und die deutsche Minderheit in Marienburg – beide hatten sich für die Wegschaffung der Toten eingesetzt – veranstalteten am 8. November 2009 ein Gedenken in Marienburg.
Der Heimatkreis Marienburg, der sich für ein würdiges Begräbnis in Marienburg eingesetzt hatte, betrachtete die beiden Veranstaltungen nicht als Konkurrenz, sondern als Sonderveranstaltungen derer, die die Toten möglichst weit weg haben wollten.
Etwa achtzig Deutsche und Polen versammelten sich am 14. November in St. Johannis: ehemalige und jetzige Marienburger sowie Angehörige deutscher Minderheiten in Dirschau, Elbing, Preußisch Holland und Stuhm.
Heimatkreisvertreter Bodo Rückert gedachte der Toten und erinnerte an die vergeblichen Bemühungen, sie in Marienburg zu bestatten.
Krzysztof Golembiewski, Pfarrer von St. Johannis, berichtete in seiner Predigt aus eigener Erfahrung: Er wisse, wie es ist, wenn das, was als Geschichte verbreitet werde, nicht die Wahrheit sei.
Krzysztof Karwan, Pfarrer der Marienburger Baptistengemeinde, stellte ebenfalls den Umgang mit der Wahrheit in den Mittelpunkt seiner Predigt: Die Wahrheit sei die Grundlage des Zusammenlebens, also auch die Grundlage der Versöhnung. Man könne keinen Schlußstrich ziehen und dann sagen, alles sei vergessen und vergeben. Was vergessen sei, könne man nicht vergeben. Die Wahrheit sei es, die frei mache zur Vergebung und zur Versöhnung.
Nach dem Gottesdienst begaben die Teilnehmer sich zum Massengrab. Im Beisein der beiden Geistlichen legte Heimatkreisvertreter Bodo Rückert zu Ehren der Toten einen Kranz nieder. Die Kranzschleifen trugen die Farben schwarz-rot-gold und weiß-rot, die Farben Deutschlands und Polens.


-Gedenkgottesdienst in St. Johannis------------Totengedenken am Massengrab
--von links: Krzysztof Golembiewski,
---Krzysztof Karwan, Bodo Rückert


Stand 20.11.2009



© copyright Hans Joachim Borchert, vgl. Impressum und ergänzendes Impressum.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü